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Skigebiete fordern Ausstieg aus dem Lockdown oder adäquate Hilfen

Aerosolexperten bescheinigen höchste Wirksamkeit der Hygienekonzepte

 

Die Infektionszahlen in NRW und Hessen sinken, insbesondere im ländlich geprägten Gebiet der Wintersport-Arena Sauerland. Viele Branchen plädieren inzwischen dafür, den schrittweisen Ausstieg aus dem Lockdown vorzubereiten. So auch die Skigebiete der Region. Sollte dies nicht passieren, sollten zumindest aber adäquate Hilfen bereitgestellt werden.

 

Die Skigebiete sind gewappnet. Für den Fall, dass die Auflagen gelockert werden und eine Öffnung erlaubt wird, ist Schnee genug vorhanden, um gleich starten zu können. Die Gebiete befinden sich mitten in der beständigsten Winterperiode der vergangenen 10 Jahre. Allein bis Ende Januar hätten sie 30 lukrative Wintersporttage hinter sich bringen können. In den großen Gebieten ist so viel Schnee vorhanden, dass für die Betreiber jetzt schon feststeht: Der hätte bis mindestens Mitte März gereicht.

 

Den Liftbetreibern geht es um das reine Sportangebot. Vom Après Ski habe man sich schon im Sommer verabschiedet. Dies sei in der Region ohnehin kaum ein Thema. An den Hygienekonzepten haben sie seit Sommer gearbeitet, teils sechsstellige Summen dafür investiert. „Wir hätten uns gewünscht, dass unsere Konzepte zumindest geprüft worden wären“, ist Christoph Klante, Geschäftsführer des Skiliftkarussells Winterberg und Vorsitzender des Skiliftverbands Sauerland enttäuscht. Fortlaufend hätten die Betreiber ihre Konzepte weiterentwickelt und der Situation angepasst, über verantwortungsvolle schrittweise Öffnungen nachgedacht und immer wieder darauf hingewiesen. „Dies hat bislang leider keine Beachtung gefunden.“

 

Arerosolexperte hält Öffnung für sinnvoll

 

Sars-Cov-2 Viren werden hauptsächlich durch Aerosole übertragen. Diesen Übertragungsweg zu unterbinden, funktioniert am besten an der frischen Luft. Beides ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Aerosolexperten bestätigen, dass draußen kaum Ansteckungsgefahr besteht. „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko mindestens 20 bis 100 Mal geringer als in geschlossenen Räumen“, betont Dr. Gerhard Scheuch, Aerosolphysiker und Geschäftsführer der GS Bioinhalation GmbH aus dem hessischen Gemünden. „Das von den Skigebieten vorgelegte Hygienekonzept halte ich für mehr als ausreichend.“ Und weiter: „Aus wissenschaftlicher Sicht wäre es mehr als sinnvoll, die Skigebiete zu öffnen, um mehr Menschen eine Motivation zu bieten, sich im Freien aufzuhalten und die Infektionsgefahr in Innenräumen zu verringern.“

 

Limitierter Ticketverkauf und strenge Kontrollen

 

Die Konzepte sehen vor, mit deutlich reduziertem Ticketkontingent zu arbeiten. Vorabbuchungen online garantieren kontaktfreien Ticketkauf und zuverlässige Limitierung. Um die erhöhte Nachfrage verteilen, können die Betriebszeiten ausgeweitet werden. Auf Parkplätzen und an allen Zuwegen herrschen strenge Kontrollen. Eine Besucherlenkung erfolgt durch Zäune sowie umfangreiche teils elektronische Hinweistafeln. Zudem stehen sichere sanitäre Anlagen und Desinfektionsmittel für die Gäste bereit. Bei der Umsetzung der Konzepte greifen die Skigebiete auf Erfahrungen zurück, die die Bikeparks im Sommer gemacht haben. Auch die Skigebiete in Österreich, der Schweiz und Skandinavien zeigen inzwischen, dass es möglich ist, Wintersport sicher anbieten zu können.

 

Andrang wie am Jahreswechsel zurzeit nicht zu erwarten

 

Einen Andrang wie zum Jahreswechsel befürchten die Betreiber nicht. Dies begründen sie einerseits mit den strengen Limitierungen, andererseits sei der Anreiseverkehr außerhalb der Ferienzeit erfahrungsgemäß deutlich geringer.

 

Die Liftbetreiber haben die Entwicklung der Infektionszahlen stets im Blick. Sollte der positive Trend anhalten und eine Erlaubnis erteilt werden, würden sie ihre Konzepte vorsichtig und verantwortungsvoll umsetzen. Dabei denken die Liftbetreiber beispielsweise an Testtage, sehr kleine Ticketkontingente, die dann langsam zu steigern wären.

 

Hilfsangebote greifen nicht – schon im ersten Lockdown leer ausgegangen

 

Die drei Wintermonate sind für den überwiegenden Teil der Liftbetreiber die einzige Erwerbsquelle des gesamten Jahres. Die Kosten hingegen fallen über zwölf Monate hinweg fortlaufend an. Nach dem schlechten Vorwinter hatte der erste Lockdown im März den Skibetrieb abrupt beendet – mitten in der ersten wirklich winterlichen Phase der Vorsaison.

 

„Wir sind vorbereitet“, betont Jörg Wilke, Geschäftsführer der Ettelsberg Liftgesellschart in Willingen. „Sollte eine Öffnung weiterhin unmöglich gemacht werden, dann müssen wenigstens die Hilfen angepasst werden.“ Bereits im ersten Lockdown hatten die meisten Skigebiete keine Überbrückungsgelder bekommen. Auch die aktuellen Hilfsangebote greifen im Falle der Skigebiete kaum. Effektiv würden sie nur zehn bis 15 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen.

 

„Die Politik ignoriert uns. Es geht nicht darum, eine ‚Extrawurst‘ zu bekommen“, betont Meinolf Pape, Sprecher der Postwiesen-Liftgesellschaft Neuastenberg und Geschäftsführer des Skiliftverbands Sauerland. „Sehr viel lieber würden wir unsere Einkünfte selbst erwirtschaften. Aber wenn uns das verboten wird, wollen wir wenigstens nicht durch das aufgespannte Netz fallen.“