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Fortschreitende Energieknappheit und steigende Preise

Skigebiete in der Wintersport-Arena wollen noch mehr Energie sparen 

 

Wie bereiten sich die Skigebiete der Wintersport-Arena Sauerland vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Energieknappheit auf den bevorstehenden Winter vor?

 

Wir wissen alle noch nicht, was genau auf uns zukommt. Aber wir müssen und werden damit umgehen. Dass fossile Energie knapper und teurer wird, wissen die Skigebiete schon lange und arbeiten seit Jahren an energiesparenden Lösungen. Gerade im Bereich der Beschneiung hat sich sehr viel getan, und das nicht nur weil die besonders im Fokus der Diskussion steht. Die Diskussion verzerrt aber die Realität. Denn die sieht so aus: 50 bis 70 Prozent des Energieverbrauchs beim Skifahren entfällt auf die Anreise. Auf den Skibetrieb inklusive Beschneiung entfallen weniger als 10 Prozent. Je weiter der Gast fährt, um Ski zu fahren, desto weiter klafft die Schere auseinander. Es liegt in der Natur der Sache, dass man da, wo am meisten Energie benötigt, am meisten sparen kann. Angebote, die Gäste dazu animieren, gibt es schon länger.

 

Was würde passieren, wenn beschneite Pisten oder sogar ganze Skigebiete geschlossen bleiben würden?

 

Der Wintersport funktioniert am besten als Gesamtpaket. Das wissen wir und haben es in der Pandemie zu spüren bekommen. Wir haben gesehen, was passiert, wenn Menschen in die geschlossenen Gebiete strömen. Das ist kaum zu kanalisieren und führt zu weiteren, noch größeren Problemen. Dies haben nicht nur wir noch in lebhafter Erinnerung, sondern wohl auch die Politik. 

 

Zudem: Die Region lebt vom Tourismus, insbesondere im Winter. Er ist im oberen Sauerland der Motor der Wirtschaft. Fast alle anderen Branchen hängen davon ab. Die Skipisten bilden die Basis des touristischen Angebots für den gesamten Zeitraum von Dezember bis März. In dieser Zeit hat der Tourismus kaum Alternative, insbesondere in den kleinen Dörfern - und in den größeren Orten nichts, was wirtschaftlich vergleichbar wäre. Der Tourismus ist im Grund eine „Schlüsselindustrie“ für die Region – auch wenn der Begriff „Industrie“ nicht ganz das trifft, was wir hier haben: Gesunden Sport in einer intakten und schützten Natur. Auf einen Arbeitsplatz im Skigebiet kommen vier bis fünf Arbeitsplätze die direkt daran hängen. In der gesamten Region hängen rund 3.000 Arbeitsplätze am Wintersport. In der drei- bis viermonatigen Saisonzeit generiert der Wintertourismus eine Wertschöpfung von 150 Millionen Euro.

 

 

Die Pandemie hat gezeigt, was passiert, wenn man den Tourismus als Motor der Wirtschaft anhält. Im Kerngebiet der Wintersport-Arena sind die Umsätze in den Corona-Wintern über die verschiedenen, am Wintersport hängenden Branchen hinaus, teils um 50 Prozent oder mehr eingebrochen – mit entsprechenden Auswirkungen auf die weiteren anhängenden Branchen und die kommunalen Steuereinnahmen. Ein Einbruch des Wintertourismus würde diese schwere Zeit für die Branche, die Bürger und die Kommunen weiter fortsetzen.

 

In der öffentlichen Diskussion werden die Seilbahnen zurzeit als die Anlagen mit dem höchsten Energiebedarf diskutiert. Trifft dies zu und wie gehen die Betreiber damit um?

 

Der Verband Deutscher Seilbahnen hat eine Liste erstellt, wie und wo die Skigebiete Energie sparen können. Der Verband spricht für alle Skigebiete in ganz Deutschland. Wir müssen und können für die Wintersport-Arena allerdings etwas differenzierter an die Sache heran gehen.

 

Wichtig ist: Es gibt in der Region viele kleinere Skigebiete, die ohne oder mit wenig Beschneiung auskommen. Die haben kleine Schlepplifte und Transportbänder. Darum benötigen die besonders wenig Energie.

 

Die größeren Skigebiete haben mehr beschneite Pisten, teils Sessellifte, teils Schlepplifte. Die Sessellifte sind aber auch hier nicht die großen Energiefresser. Ein Sessellift braucht je nach Länge zwischen 80 und 200 kWh. Schlepplifte brauchen vielleicht 20 bis 100 kWh. Sie transportieren allerdings auch deutlich weniger Personen. Das zeigt: Den Energieverbrauch alleine zu betrachten, greift zu kurz.

 

Der Aussage, die Lifte verbrauchten den meisten Strom können sich die Liftbetreiber aus einem weiteren Grund nicht anschließen. Die Wintersport-Arena Sauerland ist ein Mittelgebirge mit vergleichsweise kurzen Liften. In den Alpen benötigen die Bahnen deutlich mehr Energie als bei uns, da größere Strecken und mehr Höhenmeter zu bewältigen sind.

 

Es gibt eine anschauliche Rechnung, die zeigt, dass es wenig bringt, sich auf die Lifte und die Beschneiung zu fokussieren. Der Energiebedarf pro Gast für einen Skitag mit Seilbahnen, Pistenpräparierung etc. liegt bei 16 kWh. Genauso viel Energie benötigt ein Mittelklasse-PKW mit einem Durchschnittsverbrauch von 7 Litern für eine Strecke von 22 km.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, bei der Beschneiung Energie zu sparen?

 

Seit vielen Jahren schon tun die Skigebiete alles, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Die Hersteller haben immer energiesparendere Schneeerzeuger auf den Markt gebracht. Die alten Schneeerzeuger wurden und werden nach und nach gegen neue ausgetauscht, die weniger Energie bei gleicher Leistung benötigen.

 

Eine besonders effektive Maßnahme war vor zwei Jahren die Einführung der GPS-Schneehöhenmessung in den vier größten Skigebieten. So können die Betreiber exakter und bedarfsgerechter arbeiten und sparen dabei rund 10 Prozent der Beschneiungsenergie – während die Pistenqualität sogar steigt. Auch der Einsatz von Windenwalzen schont den Schnee und bedeutet unterm Strich weniger Energieeinsatz. Das Schneemanagement hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.

 

Inwiefern tragen die Skigebiete zur Energiegewinnung bei?

 

Seit Jahren schon wird in den Bau von Photovoltaikanlagen investiert. In der Winterberger Remmeswiese steht seit 2011 eine 6.000 Quadratmeter Photovoltaikanlage. Bei einem durchschnittlichen Sonnenertrag von 245.000 kWh pro Jahr beträgt die CO2-Einsparung etwa 146.000 Kilogramm. Weitere neun Photovoltaikanlagen im Skiliftkarussell haben die Liftbetreiber auf verschiedenen Funktionsgebäuden installiert. Sie erzeugen weitere 600.000 kWh pro Jahr. Zudem sind zwei neue Photovoltaikanlagen in der Remmeswiese in Arbeit. Die sollen noch im Herbst 2022 fertig werden.

 

Auch die Gastronomie zieht mit. Es gibt Hütten, die Vorbildfunktion haben. Das Schneewittchenhaus in Winterberg in Winterberg produziert durchschnittlich 103 Prozent des benötigten Stroms selbst. Die Graf Stolberg Hütte in Willingen heizt mit Holz aus heimischen Wälder und ist aufgrund weiterer Maßnahmen auf dem Weg, Co2-neutral zu werden. Möppis Hütte heizt ausschließlich mit Holz aus heimischen Wäldern ist hat umfangreiche Dämmungs- und Rückgewinnungsmaßnehmen realisiert.

 

Weiterhin wird seit dem vergangenen Winter in den größten vier Skigebieten nur noch „grüner“ Strom, d.h. Strom aus regenerativen Energien, bezogen. Zurzeit prüfen diese Skigebiete, ob es möglich ist, Strom direkt aus Windparks oder Photovoltaikparks der näheren Umgebung zu beziehen.

 

All diese Maßnahmen lassen sich aber nicht „von heute auf morgen“ umsetzen. Daran arbeiten die Betreiber seit Jahren. Wer rechtzeitig damit begonnen hat, ist nun vergleichsweise gut aufgestellt. In der aktuellen Situation zeigt sich, dass dies gut war und dass es auch künftig weiter in diese Richtung laufen muss.

 

Können die Gäste auch etwas dazu beitragen, den Energieverbrauch beim Wintersport zu reduzieren?

 

Alle schauen auf die Beschneiung, aktuell stehen die Lifte in der Diskussion. Dabei entfällt die meiste Energie auf die Anreise. Hier können alle Gäste mithelfen, zu sparen. Dass Urlaub und Freizeitspaß auch mit dem ÖPNV möglich sind, haben viele Inhaber des 9-Euro-Tickets erfahren und bewiesen: Es geht! Viele Skigebiete sind sehr gut mit Bus und Bahn zu erreiche. Dies ist ein positives Unterscheidungsmerkmal zu einer Reise in den Süden. Selbst unter Einberechnung der Beschneiung ist ein Skiwochenende für Menschen im Umkreis von 300 bis 400 Kilometern deutlich energiesparender als die Fahrt in die Alpen.

 

Gäste können, die kleinen Skigebiete besuchen, die noch dazu weniger stark besucht sind. Doch selbst wenn sich ein Wintersportler für die großen, beschneiten Skigebiete entscheidet, hinterlässt er einen kleineren CO2-Fußabdruck als Urlauber, er beispielsweise nach Mallorca in die Sonne fliegt. Ein Vergleich: Der Energieverbrauch der Erstbeschneiung der gesamten Wintersport-Arena (65 km beschneite Pisten) benötigt mit 2 gWh so viel Energie wie ein Hin- und Rückflug eines Flugzeuges mit 200 Personen in die Karibik (welches nach wie vor steuerbegünstigt Kerosin verbraucht). Auf den beschneiten Pisten der Region haben hingegen 400.000 Wintersportler ihren Spaß am gesunden Sport. Dies zeigt, dass es wenig bringt, sich auf Beschneiung und / oder Lifte zu fokussieren.

 

Es gibt Angebote, die den Gästen die Nutzung von Bus und Bahn attraktiver machen sollen, teils schon seit vielen Jahren – vom Tourismus finanziert. Mit der SauerlandCard nutzen Gäste öffentliche Verkehrsmittel innerhalb ihres Skiurlaubs kostenfrei. Es gibt den Winterberger Skibus, den Tagesgäste beispielsweise mit einem günstigen NRW Ticket gratis mitnutzen können. Zudem gibt es den Shuttlebus, der zwischen den großen Winterberger Skigebieten pendelt und den Inhaber eines Skiliftkarussell-Tickets oder einer Wintersport-Arena Card gratis nutzen können.

 

Eine weitere Möglichkeit: Alleine schon aufgrund der hohen Spritkosten werden viele Gästen Fahrgemeinschaften bilden und nicht alle individuell anreisen. Dies alles zusammen würde auch An- und Abreise sowie die Parkplatzsituation sehr entspannen.

 

Dies würde ein Umdenken der Gäste voraussetzen. Wird dies denn nun passieren?

 

Es ist, wie so oft: Krisen bringen Veränderungen. Vermutlich wird ein Umdenken stattfinden, wenn auch nur langsam.

 

Ein Umdenken ist aber auch erforderlich in der Betrachtung des „Produktes“ Schnee. So etwas sollte Ganzheitlich betrachtet werden. Kauft man ein Getränk in Flaschen oder Tetrapacks, eine Konservendose oder ein Kleidungsstück, so entfällt dort Energie nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf den Transport zum Großhändler, Händler, Kunden. Und am Ende auch für die Entsorgung, von der Müllabfuhr bis bestenfalls hin zum Recycling. Die Skigebiete haben ein Produkt, was an Ort und Stelle entsteht, das aus klarem, reinen Wasser entsteht und ohne Verschmutzungen genutzt wird. Der Schnee benötigt kein Recyclingverfahren. Er schmilzt durch die Umgebungstemperatur und das Wasser gelangt nahezu unverändert zurück in den Wasserkreislauf – so gut wie von selbst.

 

Die Menschen haben schon länger begonnen, Müll zu vermeiden. Das Nachhaltigkeitsdenken ist inzwischen in fast allen Lebensbereichen angekommen.

 

Welche Maßnahmen ziehen die Skiliftbetreiber zudem  noch in Erwägung, um auf die Energieknappheit zu reagieren?

 

Energie ist teuer. Sie war es und ist es zurzeit insbesondere. Darum haben die Betreiber schon lange daran gearbeitet, den Bedarf zu reduzieren. Nicht nur weil es  nachhaltiger, sondern auch weil es wirtschaftlicher ist. Über die folgenden Punkte wird zurzeit nachgedacht und abgestimmt. Es sind nur einige Punkte aus einer Liste, sie sich durchaus noch verlängern kann.

 

Lifte:

·       Auswahl und Priorisierung von Anlagen, die unbedingt Betrieb genommen werden sollen und solchen, die weniger wichtig sind.

·       Lifte voll besetzen (dazu kann und sollte jeder Gast mit beitragen)

·       Fahrgeschwindigkeit in weniger stark besuchten Zeiten reduzieren

·       Willingen: am K1 Lift die Sitzheizung abstellen. So etwas gibt es nur am Achter-Sessellift am Köhlerhagen. Dies bedeutet für den Gast wenig Komfortverlaust, da die Heizung nach dem Platznehmen nur wenige Sekunden an ist.

 

Gastro

·       Raumtemperaturen senken / ungenutzte, wenig genutzte Räume nicht heizen

·       Heizungsanlagen warten / Energieverbrauch optimieren

·       Beleuchtung optimieren (LED, ungenutzte, weniger genutzte Räume nicht beleuchten usw.)

·       Sofern möglich weitere Wärmedämmung einsetzen  

·       Schulung der Mitarbeiter hinsichtlich Energieverbrauch

 

Beschneiung

 

·       Fokussierung auf die Pisten, die wirklich benötigt werden. (Vorsaison und Nachsaison sind weniger stark frequentiert)

·       Beschneiung im Grenzbereich (-1/-2 Grad) vermeiden, sofern sich kältere Temperaturen abzeichnen, denn dann ist der Vorgang effektiver.

·       Einsatz von Schneilanzen präferieren, sofern vorhanden und sofern die Temperaturen ausreichen (Lanzen benötigen etwas mehr Kälte als Kanonen, dann aber etwas weniger Energie).

 

Flutlicht:

 

·       Beim Flutlicht hilft LED Technik, Energie zu sparen. An einigen Pisten in Willingen und Winterberg gibt es dies bereits. Weitere Betreiber denken darüber nach, umzusteigen. Doch auch dies kann nicht „von heute auf morgen“ umgesetzt werden. (Thema: Materialmangel und Handwerkerknappheit)

 

Mit welchem Gefühl gehen die Liftbetreiber in die neue Saison?

 

Hinsichtlich der Energiekrise müssen sie alle Möglichkeiten in Betracht ziehen und auf alles vorbereitet sein. Allerdings ist es auch nicht gut, von vorn herein vom Schlimmsten auszugehen. Die Skigebiete haben den milden Winter, den Lockdown-Winter und den zurückliegenden Corona-Winter hinter sich gebracht. Die werden nicht „den Kopf in den Sand stecken“, sondern nach vorn schauen und mit der Situation umgehen. Sie tragen Verantwortung und nehmen sie wahr.