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Energie sparen da, wo es das Wintersporterlebnis möglichst wenig trübt

Keine großen Investitionen, aber viele kleine Einsparpotenziale nutzen

Nach zwei Pandemie-Wintern und vor einer Saison mit rasant steigenden Energiekosten, zeichnen sich in den Skigebieten der Wintersport-Arena Sauerland keine so hohen Investitionen wie in Vorkrisenzeiten ab. Das Augenmerk liegt auf der Optimierung der vorhandenen Anlagen und dem Erkennen und Nutzen weiterer Energiesparpotenziale.

 

Energiepreise

Die meisten der Winterberger und Willinger Skigebiete haben sich einer Energieeinkaufsgemeinschaft angeschlossen und Verträge über drei Jahre abgeschlossen. Diese laufen zum 31. Dezember aus, ohne dass für das kommende Jahr neue Verträge vorliegen. Darum können die Skigebiete bis Jahresende mit den derzeitigen Preisen gut kalkulieren. Neue Verträge abzuschließen, ist zurzeit aufgrund der stark schwankenden Strompreise und der nicht absehbaren Entwicklung nicht sinnvoll.

Die Betreiber werden versuchen, den Schnee möglichst schon im Dezember zu produzieren und durch gutes Schneemanagement lange zu halten. Denn eine flächendeckende Grundbeschneiung wird bis Ende des Jahres am wirtschaftlichsten sein. Ab Januar werden die meisten Betreiber auf Kältephasen warten, zu den dann aktuellen Preisen Strom beziehen und flexibel entscheiden, wie wirtschaftlich dies ist.

Nicht erst in dieser Saison, aber jetzt insbesondere, hoffen die Liftbetreiber auf einen schneereichen und kalten Winter. Denn Naturschnee ist erst einmal kostenfrei, je tiefer die Temperaturen sinken, desto effizienter und günstiger wird die Beschneiung bei gleichzeitig sinkenden Co2-Emissionen.

Betroffen von den stark gestiegenen Energiepreisen, sind nicht nur die großem, beschneiten Skigebiete. Die Kleineren produzieren keinen oder nur wenig Schnee. Sie haben keine Sessellifte, sondern weniger energieintensive Schlepplifte. Bei deutlich weniger Betriebstagen und weniger Gästen, schlagen die gestiegenen Kosten jedoch besonders stark zu Buche. Teils betreiben kleine Skiclubs die Hütten, deren Heizkosten nun ein Vielfaches über denen der Vorjahre liegt.

 

Stark steigende Kosten, moderat steigende Ticketpreise

Die gestiegenen Energiekosten stehen nicht alleine da. Hinzu kommen gestiegene Löhne und allgemeine Kostensteigerungen, sodass die Skigebiete von einer Mehrbelastung von 20 bis 30 Prozent ausgehen. Diese werden aber nur zum Teil auf die Ticketpreise umgelegt. Da auch die Verbraucher unter steigenden Preisen leiden und weniger Geld „in der Tasche“ haben, werden die Ticketpreise wie in jedem Jahr nur moderat steigen. In den größeren Gebieten ist mit Preissteigerungen von 5 bis 10 Prozent zu rechnen.

 

Regenerative Energien

Energiegewinnung aus regenerativen Ressourcen ist seit vielen Jahren ein großes Thema in den Skigebieten. Diese Bemühungen setzen sich nahtlos fort. So sind die Gebäude am Poppenberg im Skiliftkarussell Winterberg inzwischen komplett weg vom Gas. Beide Hütten, Funktionsgebäude und Hallen werden inzwischen mit Hackschnitzeln geheizt, die aus Holz aus heimischen Wäldern stammen.

Einige Investitionen sind schon seit vielen Monaten, teils über ein Jahr geplant. Die lange Dauer beziehungsweise verzögerte Umsetzung ist teils den Genehmigungsverfahren, teils Lieferschwierigkeiten und Materialmangel geschuldet. So sind Photovoltaikanlagen unter anderem geplant auf einem Gebäude im Skiliftkarussell Winterberg im Bereich Rauher Busch sowie auf der renovierten Gastronomie in der St. Georg Schanze. Im Skigebiet Willingen ist eine weitere Anlage auf der Bergstation am Köhlerhagen in Planung. An einigen Gebäuden wird die Wärmedämmung optimiert. Dies ist zum Beispiel am Kassenhaus an der Panorama Erlebnis Brücke auf der Winterberger Kappe der Fall.

Seit einigen Jahren schon befassen sich die Liftbetreiber mit dem Gedanken, Energie aus Windkraft zu gewinnen, beispielsweise im Skiliftkarussell Winterberg. Das Gebiet fällt allerdings nicht in die vom Land NRW ausgewiesenen Windvorzugsflächen. Darum war das bisher nicht möglich. Die Betreiber warten nun auf die neue Richtlinie, die Windkraftanlagen auf weiteren Flächen möglich machen soll, um zu sehen, ob das künftig möglich und sinnvoll ist.

HVO steht für „Hydrogenated Vegetable Oils“. Das sind Hydrierte Pflanzenöle, die mittels katalytischer Reaktion unter Zugabe von Wasserstoff in Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Seit einigen Jahren sind diese Kraftstoffe auf dem Markt und immer mehr Branchen haben Interesse, sie einzusetzen. So auch in den Skigebieten, um damit Pistenwalzen zu betanken. Im Skiliftkarussell Winterberg sollen in den kommenden Monaten die Walzen im Skiliftkarussell Winterberg mit HVO betrieben werden, um damit erste Erfahrungen zu sammeln. Pistenwalzen benötigen zwischen 20 und 25 Liter Kraftstoff. Ein Liter Biodiesel ersetzt 0,96 Liter Diesel aus Erdöl. Es gilt zu klären, wie zuverlässig die Maschinen bei winterlichen Bedingungen damit laufen. Der Einsatz von HVO-Kraftstoff reduziert Co2-Emissionen im Vergleich zum herkömmlichen Diesel um etwa 90 Prozent.

 

Energiesparmaßnahmen

Wer früh begonnen hat, Energie zu sparen und in regenerative Energien investiert hat, ist jetzt gut aufgestellt. Denn effektive Maßnahmen können nicht innerhalb weniger Monate umgesetzt, sondern müssen von langer Hand geplant werden. Wie in den Vorjahren, haben die Liftbetreiber in vielen Gebieten alte Schnee-Erzeuger gegen neue, energiesparendere ausgetauscht. Dazu gehört der Einsatz moderner, effizienter Schneekanonen ebenso wie der von Schnei-Lanzen. Letztere benötigen zwar eine geringere Umgebungstemperatur, aber weniger Strom. Investitionen dieser Art melden die Skigebiete Neuastenberg, Altastenberg, Willingen und das Skiliftkarussell Winterberg.

Grundsätzlich werden alle Energieverbräuche auf den Prüfstand gestellt, um weitere Einsparmöglichkeiten erkennen und nutzen können. So soll die Zahl der laufenden Lifte dem aktuellen Bedarf angepasst werden. Zudem könnte in weniger stark besuchten Zeiten die Geschwindigkeit der Lifte reduziert werden. Die Gäste werden gebeten, die Lifte voll zu besetzen, um die Beförderungskapazität voll auszuschöpfen. In den Büros und gastronomischen Einrichtungen könnten die Raumtemperaturen leicht gesenkt werden. Es sollen nur die benötigten Räume beheizt und beleuchtet werden. Wo es möglich ist, steigen die Betreiber auf energiesparende LED um. Sinnvoll ist auch eine Schuldung der Mitarbeiter zu Möglichkeiten der Einsparung.

 

Bei der Beschneiung wollen die Liftbetreiber das Angebot der Nachfrage anpassen und wenig genutzte Bereich in der Nebensaison geschlossen lassen. Wie in der Vorjahren soll möglichst dann beschneit werden, wenn die Effizienz hoch ist. Beschneiung im Grenzbereich wollen sie möglichst vermeiden. Dazu ist es notwendig, die Temperaturentwicklungen noch genauer als sonst zu beobachten und gegebenenfalls die automatisch gesteuerten Anlagen manuell anzupassen. Dabei sind auch die fast stündlich schwankenden Strompreise relevant. Bei ausreichend langen Schneifenstern sind die Betreiber in der Lage, die Laufzeit der Anlagen etwas zu beeinflussen.

Um die Skihänge mit Flutlicht zu beleuchten, sind einige Skigebiete in den zurückliegenden Jahren bereits auf LED umgestiegen. Weitere Betreiber ziehen diese Umstellung mittelfristig in Erwägung. Die Anzahl der beleuchteten Flutlichthänge soll wie bei den Liften der Besucherzahl und deren Nutzungsgewohnheiten angepasst werden.

Wo es möglich ist, nutzen Skivereine Fördermittel, um beispielsweise ihre Hütten zu dämmen oder die Sportanlagen mit LED auszustatten, so zum Beispiel der Ski-Club Rückershausen. Viele planen, die Raumtemperaturen der Hütte zu senken.

 

Skigebiete betonen: Wintersport wird möglich sein!

Die vom Wintersport lebenden touristischen Einrichtungen und Anbieter spüren zurzeit eine Verunsicherung der Gäste. Sie werden mit Fragen konfrontiert, wie Wintersport in den nächsten Monaten aussehen könnte und ob die Skigebiete überhaupt öffnen würden. Diese Gäste möchten die Liftbetreiber ausdrücklich beruhigen.

Experten schätzen die Wahrscheinlichkeit für einen langanhaltender Stromausfall als nicht sehr wahrscheinlich ein. Die meiste Energie wird tagsüber benötigt.  80 Prozent der Beschneiung findet jedoch nachts statt. Beschneiungsanlagen benötigen weniger Energie als vielfach vermutet. Die Kälte wird beim weitaus größten Teil der Anlagen nicht erzeugt, sondern das fein zerstäubte Wasser gefriert an der kalten Umgebungsluft. So hat ein Skigebiet einen ähnlichen Energieeinsatz wie eine Sauna oder ein Erlebnisbad und deutlich weniger als ein Fußballstadion. Eine Grundbeschneiung der gesamten Pisten der Region mit Beschneiungsanlage benötigt einen ähnlichen Energie-Einsatz wie ein Flug in die Karibik. Auf diesen Pisten betreiben 200.000 Menschen gesunden Sport, während das Flugzeug nur 200 Personen in die Südsee schickt.

Darüber hinaus plädieren die Liftbetreiber dafür, nicht den Energiebedarf alleine zu betrachten, sondern die Wertschöpfungstiefe einer Branche. Der Tourismus ist im Kerngebiet der Region Motor der Wirtschaft. Insbesondere im Winter gibt es kaum Alternativen. Die schneesicheren Pisten bilden die Basis des Wintertourismus. Sie dind die Grundlage für die Buchungsentscheidungen der Gäste und stellen eine gewisse Planbarkeit sicher. Indirekt hängen fast alle Branchen vom Wintersport davon ab. An einen Arbeitsplatz in den Skigebieten hängen fünf weitere in anderen Gewerben.

Was passiert, wenn den Menschen die Freizeitbeschäftigung fehlt, haben die Lockdowns gezeigt. Die Folgen eines unkontrollierten Zustroms in die Skigebiete in schneereichen Zeiten haben nicht nur die Einwohner noch lebhaft in Erinnerung. Darum werden die Skigebiete verantwortungsvoll mit ihrer Bedeutung für die Wirtschaft, für die Menschen und mit der Energieknappheit umgehen.

 

Sie gehen davon aus, dass Wintersport in den kommenden Monaten fast wie zuvor möglich sein wird. Einsparungen soll es nur dort geben, wo sie das Urlaubserlebnis des Gastes und die Entwicklung der Wirtschaft in der Region nicht oder nur wenig beeinträchtigt.