Geöffnete Pisten & Loipen

13,8 km Pisten
13 Lift(e)
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Anreisedruck in den Schneegebieten während des Lockdowns

Wintersport-Arena Sauerland: Skigebiete können Teil der Lösung sein 

 

In der Zeit nach Weihnachten und dem ersten Januarwochenende kam es zu erhöhtem Anreiseverkehr in die gesamte Wintersport-Arena Sauerland. Festzustellen war dies in allen höher gelegenen Orten, denn oberhalb 600 Meter lag Schnee. Insbesondere betraf dies die Wintersporthochburgen Winterberg und Willingen.

 

Trotz Appellen in allen Medien, bitte nicht anzureisen, erhöhte sich der Verkehr nach den Weihnachtstagen geradezu täglich. Höhepunkt war der erste Sonntag des neuen Jahres, an dem sich einige Orte nicht mehr anders zu helfen wussten, als die Zufahrtsstraßen zu sperren. Teils wurden Betretungsverbote der Pisten erlassen.

 

Schnee und Ferien lassen hin und wieder Spitzen entstehen

 

Alle, die vom Wintertourismus leben wissen, dass diese Branche anderen Gesetzen unterliegt als andere Marktbereiche. Nicht nur eigene Werbung steuert die Nachfrage. Die größte Anziehungskraft entfalten die Schneemeldungen der Wetterberichte. Winter für Winter setzt der größte Anreiseverkehr ein, sobald die Flocken reichlich fallen. Dies ist umso mehr der Fall an den Wochenenden und in den Ferien.

 

Die Weihnachtsferien sind grundsätzlich keine besonders schneesichere Zeit. Nur jede sechste Weihnacht ist „weiß“. Das letzte schneereiche Wochenende in den Weihnachtsferien liegt drei Jahre zurück. Zu der Zeit registrierten die Wintersportdestinationen einen ähnlich hohen Anreiseverkehr wie am ersten Januarwochenende. Spitzen dieser Art gibt es nicht häufig, aber immer wieder.

 

Bislang nie dagewesene Situation aufgrund des Lockdowns

 

Die Städte und Gemeinden wie auch die Skigebiete hatten nicht damit gerechnet, dass trotz Lockdown und nicht vorhandenem Liftbetrieb so große Mengen an Menschen anreisen würden – allen wiederholten Appellen und Warnungen zum Trotz. Die Probleme: Überfüllte Straßen, Menschen, die aufgrund nicht vorhandener Parkmöglichkeiten in Wohngebieten parken, Zufahrten und Rettungswege zuparkten und damit zur Verschärfung der Verkehrsprobleme beitrugen. Hinzu kamen Problemen aufgrund der durch den Lockdown erfolgten Schließung der gesamten Infrastruktur. Es fehlten Toiletten, Ordner, Kontrolleure, Teams die am Ende des Tages aufräumen und Müll einsammeln. Auch die Sanitäter der Bergwacht waren nicht im Einsatz. Möglichkeiten zur Lenkung der Besucherströme waren nicht gegeben.

 

Überzeichnetes Bild in vielen Medien

 

Schnell waren Bilder von Gruppen, die auf den Pisten Schneespaß suchten, in den Nachrichtenmedien und in den Sozialen Medien zu sehen, die offenbar nicht nur abschreckten, sondern teils auch neue Menschen anlockten. Der Hauptteil der Menschen waren Wanderer und Spaziergänger. Ein nicht unbeträchtlicher Teil waren zudem Rodler, die auf die eigentlich geschlossenen und nicht gesicherten Ski-Pisten strömten, sich aber auch abseits des Skigebiets allerlei schneebedeckte Hänge suchten, um Schneespaß zu erleben. In den Skigebieten selbst hielten sich in diesen Tagen deutlich weniger Menschen auf, als bei regulärem Skibetrieb in der Hochsaison.

 

Schneetouristen statt Wintersportler

 

Ein weiterer Unterschied zu einem Winter mit geregeltem Betrieb und Angebot: Es reisten nicht die bekannten Wintersportgäste an. Die Schneetouristen der Tage zwischen Weihnachten und Anfang Januar waren Menschen, die nach langen Wochen des Lockdowns, frische Luft und Bewegung genießen und die für sie oftmals neue Erfahrung von Schnee machen wollten.

 

Ventil für Corona bedingten Frust im Lockdown

 

Langeweile und beengte Wohnverhältnisse in den Ballungsräumen waren Auslöser dafür, dass große Mengen an Menschen nach den langen Wochen des Lockdowns in die Schneegebiete strömten. Der Drang nach Bewegung und einem Stück Freiraum machte sich Luft. Das erklärt auch möglicherweise das zum Teil aggressive Verhalten, während sich aber der Großteil der Schneetouristen angemessen verhielt. Die fehlende Infrastruktur (Toiletten, Parkplätze usw.) sorgte für weiteren Frust.

 

Sperrungen der Zuwege als letztes Mittel

 

Straßensperrungen und Betretungsverbote erscheinen auf den ersten Blick als hartes Mittel für eine Tourismusregion, die ihre Gäste schätzt und von ihren Gästen lebt. Sie waren jedoch für die Städte und Gemeinde das letzte Mittel, um den Verkehr zu reduzieren. Nach Beobachtungen der Skigebiete haben sich dort die meisten Menschen die Auflagen der Verordnung zum Schutz vor Verbreitung des Corona-Virus eingehalten. Kontrollierbar ist dies bei ungeordnetem Betrieb allerdings nicht.

Verlagerung führt zu „Dominoeffekt“

 

Nach der Sperrung Winterbergs am Nachmittag des 2. Januar musste Willingen in gleicher Weise reagieren. Denn von der Polizei auf der B 480 zurückgewiesen, fuhr ein Großteil der Besucher nicht in den Heimatort, sondern suchte Ausweichmöglichkeiten in der Nähe, was den Verkehr in den umliegenden Orten weiter vergrößerte. Und so schlossen auch Olsberg-Bruchhausen, Bödefeld-Hunau, Schanze, Brilon und Olpe Fahlenscheid ihre Straßen. Wildewiese hatte bereits vorher reagiert. In Winterberg, Willingen, Schmallenberg und Fahlenscheid gab es Betretungsverbote für die Pisten.

 

Sperrung von Pisten durch Betreiber selbst nicht möglich

 

Grundsätzlich ist zu sagen, dass weder Ausflüge, noch der Aufenthalt in der Natur während des Lockdowns verboten sind. Da in den weitläufigen Flächen Kontrolle kaum möglich war, wurde die Forderung nach Sperrung der Pisten an die Liftbetreiber herangetragen. Doch dies war zunächst aus unterschiedlichen Gründe nicht möglich.

1.     Die Skilifte waren sind laut Corona-Schutzverordnung geschlossen. Der Verband Deutscher Seilbahnen hat zusammen mit dem Bayerischen Innenministerium mit Beginn des Lockdowns klargestellt, dass Pisten Teile der freien Natur sind und erst bei Öffnung des Skibetriebes zu Pisten werden, für die der Pistenbetreiber die Verkehrssicherungspflicht hat. Das bedeutet:

a)    rein rechtlich sind zurzeit keine Absicherungsmaßnahmen oder Sperrschilder nötig. In Willingen wurden sie zur Aufklärung und zum Schutz der Gäste dennoch vielfach installiert.

b)    Das Absperren der Naturflächen, die auch meist nicht im Besitz der Liftbetreiber sind, ist rechtlich kaum möglich. Vor allem aber ist es praktisch nicht umzusetzen, denn es handelt sich teilweise um ganze Bergareale.

2.     Das Eingreifen in den öffentlichen Verkehrsraum obliegt einzig und allein der Polizei, die bei anderen Institutionen wie dem örtlichen Ordnungsamt oder der Feuerwehr um Amtshilfe bitten kann.

3.     Die Parkplätze sind teils gepachtete Flöchten, teils im privaten Besitz der Liftbetreiber. Die Sperrung ist teilweise erfolgt, hat aber meist zur Vergrößerung der Verkehrsprobleme geführt. Auch dies ist bei einigen großflächigen Parkplätzen und -streifen nicht ohne großen Aufwand möglich.

Erst aufgrund des hohen Anreiseverkehrs haben einige Städte und Gemeinden vorübergehende Betretungsverbote erlassen.

 

Gäste sind herzlich willkommen – nach dem Lockdown!

 

Teils stieß das Vorgehen bei den Wintersportlern auf Unmut. Für das Vorgehen bitten die Liftbetreiber jedoch um Verständnis. Die Betreiber, die vom Wintertourismus leben wünschen sich nichts mehr als ihre Gäste sobald wie möglich wieder willkommen zu heißen, ihren gesunden Sport in der Natur und schöne Schneeerlebnisse zu bieten. Dazu jedoch muss die erforderliche Infrastruktur bereitstehen. Von den Parkplätzen über den Verleih, die Gastronomie bis hin zu den Liften und Pisten. Die Region lebt vom Tourismus. Es hängen Existenzen unzähliger Unternehmer und ihrer Familien daran. Mitarbeiter befinden sich zu Hunderten in Kurzarbeit.

 

Schutzkonzepte liegen seit Monaten bereit

 

Darum erhoffen sich nicht nur die Skigebiete eine baldige Beendigung des Lockdowns. Seit Monaten haben sie aufwendige Hygiene- und Schutzkonzepte bereitliegen. Die Skigebieten haben teils hohe, sechsstellige Summen investiert, um ihren Gästen möglichst sicheren Wintersport bieten zu können. Diese Konzepte kamen bisher alle nicht zur Anwendung. Dass dies aber möglich ist, haben im Sommer große Freizeitparks und Bikeparks vorgemacht. Auch in österreichischen Skigebieten läuft der kontingentierte Betrieb inzwischen erfolgreich.

 

Besser geregelt geöffnet als unkontrolliert geschlossen

 

Eine geregelte Öffnung der Skigebiete Sie hätte viele Vorteile:

-          Der Ticketverkauf kann online kontaktfrei erfolgen

-          Die Betriebszeiten können ausgeweitet werden, um erhöhte Nachfrage zu kanalisieren. So könnte beispielsweise allabendlich Flutlichtbetrieb starten.

-          Über den Onlineverkauf kann das Ticketkontingent gesteuert und limitiert werden.

-          Es stehen ausreichend gut geräumte und kontrollierte Parkplätze bereit.

-          An den Zugängen ins Skigebiet, an den Liften und gastronomischen Einrichtungen kontrollieren Ordner die Einhaltung der Auflagen

-          Eine Besucherlenkung erfolgt durch Zäune, ggf. Sperrungen sowie umfangreiche teils elektronische Hinweistafeln

-          Es stehen sanitäre Anlagen und Desinfektionsmittel für die Gäste bereit

-          Die Pisten sind präpariert und gesichert.

-          Die Bergwacht ist im Einsatz und kann im Notfall unverzüglich Hilfe leisten

-          Am Ende des Tages sammeln Mitarbeiter Müll ein und räumen auf

-          Polizei und Ordnungsamt würden von der Kontrolle der Pistenbereiche entlastet, da dies dann in den Verantwortungsbereich der Liftbetreiber fiele.

 

Wintersportler reisen in der Zeit von 8 Uhr am Morgen bis etwa 11 Uhr an. Die Schneetouristen der vergangenen Tage sorgten für hohes Verkehrsaufkommen kurz nach Mittag. Die Abreise der Wintersportler setzt meist gegen 16 Uhr ein und zieht sich bis etwa 18 Uhr hin sowie nach dem Flutlicht gegen 22 Uhr. Bei reduzierten Ticketangebot sollte es dabei zu keinen größeren Verkehrsproblemen kommen.

 

Die Liftbetreiber sind Unternehmer, die ihren gesamten Jahresumsatz in drei bis vier Wintermonaten erwirtschaften müssen. Die aktuell in Aussicht gestellten Hilfen über zwei oder drei Monate hinweg reichen nicht aus, um die Kosten zu decken, die über das gesamte Jahr hinweg entstehen. Bei einer Öffnung auf Basis eines verantwortungsvoll entwickelten und kontrollierten Konzeptes würden Einnahmen erzielt, die sowohl Liftbetreiber als auch Steuerzahler entlasten.